Hintergrund
Das Projekt LTE in NRW beobachtet und begleitet den aktuell laufenden Ausbau von LTE in Nordrhein-Westfalen. Dabei stehen vor allem drei Aspekte im Fokus, die für die Bevölkerung von großem Interesse sind.
1. Breitbandversorgung: Die flächendeckende Versorgung Deutschlands mit Breitbandanschlüssen ist ein wichtiges politisches Ziel. Bei der Breitbandstrategie der Bundesregierung spielen Funktechnologien wie LTE eine große Rolle. Die Nutzungsrechte für den Frequenzbereich 790 MHz bis 862 MHz wurden deshalb nur unter der Auflage vergeben, dass damit zunächst der unterversorgte ländliche Raum erschlossen wird. Allerdings unterliegt LTE als Funktechnologie einigen (technischen wie tariflichen) Einschränkungen, die für DSL so nicht existieren. Die volle Datenrate steht beispielsweise nur für ein begrenztes Datenvolumen zur Verfügung und wird anschließend gedrosselt. Außerdem ist je nach Tarif die Nutzung verschiedener Dienste (z.B. VoIP) untersagt. Daher stellt sich die Frage, ob LTE in der Praxis einen zufriedenstellenden Ersatz für kabelgebundene Technologien darstellt.
2. DVB-T und DVB-C: Aufgrund des Frequenzbereichs, der in Deutschland für den Ausbau von LTE genutzt wird, befürchten verschiedene Interessenverbände Störungen des digitalen Fernsehempfangs. Der fragliche Bereich, die sogenannte digitale Dividende, liegt in unmittelbarer Nachbarschaft der für DVB-T genutzten Frequenzen. Für das digitale Kabelfernsehen DVB-C werden, je nach Ausbaustufe des Kabelnetzes, sogar die gleichen Frequenzen wie für LTE verwendet. Im Versuch lassen sich tatsächlich Störungen bei DVB-T und DVB-C provozieren. In welchen Ausmaß diese im kommerziellen Betrieb tatsächlich auftreten werden, lässt sich aufgrund der Vielzahl relevanter Variablen allerdings nicht exakt vorhersagen.
3. Funkmikrofone: Seit 2005 nutzt auch die Veranstaltungsbranche in Deutschland die für LTE vorgesehenen Frequenzen. Noch bis 2015 dürfen in den Bereichen 790 MHz - 814 MHZ und 838 MHz - 862 MHz Funkmikrofone betrieben werden. Mit der Einführung von LTE werden diese Frequenzen aber voraussichtlich bereits wesentlich früher nicht mehr nutzbar sein. Einrichtungen wie Theater, Hochschulen oder Konferenzzentren müssen in naher Zukunft auf Mikrofone umsteigen, die in anderen Frequenzbereichen arbeiten. Der Grund dafür ist, dass ein LTE-Signal im Frequenzbereich um 800 MHz in entsprechenden Funkstrecken deutlich hörbare Störungen hervorrufen kann. Problematisch ist hier vor allem die Übernahme der entstehenden Kosten. Dieses Thema wird von Bund, Ländern und Mikrofonanwendern aktuell heftig diskutiert.
4. Immissionen: Viele Bürgerinnen und Bürger beschäftigt die Frage, ob die Einführung von LTE eventuell auch mit Auswirkungen auf die Gesundheit verbunden sein könnte. Diese Sorge hat zwei Gründe: Zum einen handelt es sich bei LTE um einen neuen Mobilfunkstandard, mit dessen Regelbetrieb bislang wenige Erfahrungen vorliegen. Zum anderen ersetzt LTE vorerst keine existierenden Mobilfunknetze, sondern wird zusätzlich aufgebaut. Der Ausbau hat insgesamt also eine Zunahme von aktiven Sendeanlagen zur Folge.