Die digitale Dividende

Der Begriff der digitalen Dividende bezeichnet Frequenzen, die für den Mobilfunk freigegeben wurden, ursprünglich aber für die terrestrische Ausstrahlung von TV und Radio reserviert waren. Ermöglicht wird diese Umwidmung durch die Umstellung des terrestrischen Rundfunks auf digitale Übertragungsmethoden (DVB-T in Europa und ATSC in Nordamerika). Dank effizienter Komprimierungsverfahren erlauben diese die Übertragung von sechs bis acht digitalen TV-Kanälen im selben Frequenzbereich, den ein einzelner analoger Fernsehkanal benötigt. Um damit lediglich das existierende Programmangebot beizubehalten, würde etwa ein Fünftel des zuvor genutzten Spektrums genügen.

Diese vergleichsweise niedrigen Frequenzen sind bei Mobilfunkanbietern besonders begehrt, da sie über ideale Ausbreitungseigenschaften verfügen. Zum einen lassen sich hier deutlich größere Funkzellen realisieren als in höheren Frequenzbändern. (Bei 800 MHz ist die Reichweite annähernd doppelt so groß wie bei 2,1 GHz.) Zum anderen werden diese Signale wesentlich weniger stark durch Gebäude gedämpft. Auf Seiten des Rundfunks besteht ebenso Interesse an diesen Frequenzen, um etwa neue Programme oder hochauflösende Inhalte anbieten zu können. Die konkrete Ausgestaltung der digitalen Dividende ist also letztendlich von regulatorischen Entscheidungen abhängig und zeigt deshalb international teilweise erhebliche Unterschiede.

Innerhalb der Europäischen Union umfasst die digitale Dividende den Bereich von 790 MHz - 862 MHz. Im September 2010 hat die Europäische Kommission vorgegeben, dass dieser Bereich bis spätestens 2015, idealerweise aber bereits Anfang 2013, für den Mobilfunk freigegeben werden muss. Die Bundesrepublik Deutschland hat diese Umwidmung bereits im März 2009 beschlossen. Endgültig vergeben wurden die Frequenzen im Mai 2010 durch eine Auktion der Bundesnetzagentur (BNetzA).

Damit hat Deutschland eine Vorreiterrolle innerhalb der Europäischen Union eingenommen. Im Vereinigten Königreich soll beispielsweise erst im Laufe des Jahres 2011 eine vergleichbare Versteigerung beginnen. In Spanien können die entsprechenden Frequenzen sogar noch bis 2015 durch den Rundfunk genutzt werden. Das bedeutet allerdings auch, dass keine praktischen Erfahrungen mit dem Regelbetrieb von Mobilfunk in diesem Frequenzbereich vorliegen.

International wurde die digitale Dividende zuerst in den USA vergeben. Hier fand im März 2008 eine Frequenzauktion der Regulierungsbehörde FCC statt. Anders als in Europa handelt es sich hier aber um den Bereich von 698 MHz bis 806 MHz. Die entsprechenden Nutzungsrechte erhielten verschiedene Mobilfunkanbieter, hauptsächlich Verizon und AT&T. Google hatte sich ebenfalls beteiligt, letztlich aber keine Nutzungsrechte ersteigert.