Neue Möglichkeiten der Mediennutzung
Eine LTE-Internetverbindung lässt sich ganz einfach zum Empfang von Radioprogrammen einsetzen. Allein in Deutschland gibt es über 3.000 Webradios. Neben den Sendungen traditioneller Radiostationen, die ihr reguläres Programm auch über das World Wide Web übertragen, finden sich zahlreiche reine Online-Angebote, die sich oft auf besondere Nischen spezialisiert haben. Zum Empfang ist keine besondere Ausrüstung nötig. Per PC lassen sich die Sender ganz einfach über den Browser aufrufen. Alternativ bieten zahlreiche Hersteller aber auch spezielle Webradio-Empfänger an. Diese kommunizieren über das heimische Netzwerk mit dem Internet und sind ähnlich einfach zu bedienen wie herkömmliche Radios.
Ein Webradio-Empfänger (Quelle: TERRATEC)
Wegen der Volumenbegrenzung bei den bisher verfügbaren LTE-Tarifen empfiehlt es sich, den anfallenden Datenverkehr im Auge zu behalten. Für eine Webradio- Nutzung in guter Qualität beträgt die Datenmenge pro Stunde etwa 56 MB. Bei einer Stunde Webradio-Nutzung pro Tag summiert sich das im Monat auf ein Datenvolumen von insgesamt etwa 1,2 GB.
Online spielen mit Konsole und PC
Im Gegensatz zu seinen Vorgängern eignet sich der Mobilfunkstandard LTE, dank der deutlich reduzierten Latenzzeiten, auch für aktuelle Online-Spiele, wie sie für PC oder Konsolen angeboten werden. Zwar sind die LTE-Latenzzeiten noch immer höher als bei DSL, für die Mehrzahl der Spiele sollte dies aber keine große Rolle spielen. Allerdings sind einige der von den Netzbetreibern angebotenen LTE-Router momentan noch nicht vollständig zu allen Online-Diensten kompatibel. Es ist also durchaus möglich, dass einige Spiele bei bestimmten Konfigurationen nicht oder nur eingeschränkt nutzbar sind.
Genau wie das Nutzen von Webradio-Programmen sorgt auch das Spielen im Netz für konstanten Datenverkehr. Was dabei übertragen wird, hängt vom jeweiligen Spiel und der Anzahl der Mitspieler ab. Strategiespiele mit zwei Beteiligten benötigen nur ein Datenvolumen von etwa 5 MB pro Stunde. Wer Shooter oder Rennspiele bevorzugt, muss bei maximal 16 Teilnehmern dagegen mit einem Datenaufkommen von bis 15 MB pro Stunde rechnen. Besonders anspruchsvoll sind Online-Rollenspiele wie etwa World of Warcraft. In manchen Situationen werden dabei bis zu 30 MB pro Stunde übertragen. Zu diesem relativ konstanten Datenverkehr kommen noch gelegentlich erforderliche Software-Updates, die ein Volumen von mehreren hundert MB haben können.
Videos nach Wunsch
Die datenintensivste Internetanwendung ist eindeutig das Abrufen von Videoinhalten, wobei die tatsächlich erforderlichen Datenraten von Auflösung und Qualität abhängen. Für die Übertragung eines Videos in mit DVB-T vergleichbarer Qualität reichen die mit LTE verfügbaren Datenraten in der Regel völlig aus. Das Ansehen von Filmtrailern, Musikvideos oder sogar einzelnen Kinofilmen über Online-Videotheken ist mit LTE dementsprechend durchaus möglich. Wegen der existierenden Volumenbegrenzungen ist LTE aber nicht für die Übertragung des täglichen Fernsehprogramms geeignet. Bereits eine Stunde Video-Konsum erfordert je nach Kompressionsverfahren die Übertragung von etwa 500 MB bis 1 GB.
Ein Internetzugang über LTE kann auch eine wertvolle Ergänzung zum klassischen TV-Empfang zu Hause sein. Dazu bietet sich etwa das sogenannte Hybrid-TV an, bei dem das normale TV-Programm mit internetbasierten Zusatzinhalten kombiniert wird. Voraussetzung ist ein hybrider Flachbildschirm oder ein anderes entsprechendes TV-Empfangsgerät, das zusätzlich zum TV-Anschluss an das Internet angeschlossen werden muss. Die programmbegleitenden Online-Inhalte können beim Hybrid-TV per Fernbedienung abgerufen werden. Da das reguläre Programm weiterhin über Satellit, Antenne oder Kabel empfangen wird, fällt dessen Übertragung bei LTE-Volumenbeschränkungen nicht ins Gewicht.
HbbTV: der europäische Standard
Beim Hybridfernsehen hat sich inzwischen europaweit der Standard HbbTV (Hybrid broadcast broadband TV) etabliert. In Deutschland bieten bereits ARD, ZDF, Sat.1, ProSieben, RTL sowie die dritten ARD-Programme entsprechend aufbereitete TVInhalte an. Zentrales Steuerungsinstrument bei HbbTV ist der sogenannte Red Button: Bei dieser Funktion lassen sich über einen roten Knopf der Fernbedienung umfangreiche Zusatzinformationen abrufen. Eine TVDokumentation über Italien könnte zum Beispiel mit Informationen zur Geschichte des Landes oder auch mit aktuellen Wetterdaten ergänzt werden. Für Hbb-TV ist auch der Videotext vollständig überarbeitet worden. Die neue Variante präsentiert sich als digitaler Teletext mit wesentlich ansprechenderer Optik und lässt sich deshalb einfacher lesen und bedienen.
Der neue Videotext bei HbbTV (Quelle: Bayerischer Rundfunk)
HbbTV erlaubt auch einen direkten Zugang zu den Online-Mediatheken der TV-Programmanbieter. Dadurch können bereits gelaufene Sendungen jederzeit ganz einfach auf den Hybrid-Fernseher geladen werden. Manche Programmanbieter bieten außerdem kurze Trailer zu aktuellen Filmen an. Die nötigen Videodaten werden über das Internet bezogen. Sie zählen zwar für die Volumenbegrenzung, der Abruf zuvor verpasster TV-Sendungen dürfte aber in den wenigsten Fällen dazu führen, dass die kritischen Schwellen bei der Volumenbegrenzung der einzelnen LTE-Tarife überschritten werden. Mittlerweile werden viele TV-Flachbildschirme bereits ab Werk für HbbTV vorbereitet. Bei älteren Geräten lässt sich eine Unterstützung des HbbTV-Standards mit einer externen Set-Top-Box vergleichsweise preisgünstig nachrüsten.